Das Arbeitszeugnis

am 11.05.2015

Arbeitszeugnisse spielen im Berufsleben eine wichtige Rolle. Ein schlechtes Zeugnis kann unter Umständen das berufliche Weiterkommen des Arbeitnehmers erheblich erschweren. Weiterhin kann auch ein Arbeitgeber bei einer falschen Zeugniseinschätzung eines Bewerbers eine personelle Fehlentscheidung treffen oder beim Streit über ein erstelltes Arbeitszeugnis vor dem Arbeitsgericht landen. Daher sollten beide Seiten darüber informiert sein, welche Kriterien bei der Zeugniserstellung von Bedeutung sind.

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Erstellung eines Arbeitszeugnisses. Dies ist in den gesetzlichen Regelungen des § 630 BGB und des § 109 GewO geregelt. Als Arbeitnehmer hat man die Möglichkeit, ein einfaches oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis anzufordern, im Idealfall schriftlich. Eine Ausstellung eines einfachen und eines qualifizierten Zeugnisses ist nicht möglich.

Das einfache Arbeitszeugnis enthält die durchgeführten Aufgaben und die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses. Das qualifizierte Arbeitszeugnis enthält zusätzlich Aussagen zu den Punkten Tätigkeitsbeschreibung, Leistungsbeurteilung, Verhaltensbewertung und eine Gesamtbeurteilung.

Der Aufbau eines Arbeitszeugnisses sieht folgendermaßen aus:

 

  • Firmenbriefkopf: Angaben zum Arbeitgeber
  • Überschrift: Hier wird die Art des Zeugnisses festgehalten (Arbeitszeugnis, Zwischenzeugnis, Praktikantenzeugnis
  • Einleitung: Angaben zur Person des Mitarbeiters, kurze Unternehmensbeschreibung, Angaben zur Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, aktuelle Tätigkeit, Angaben zu Positionswechseln
  • Beschreibung der wesentlichen Tätigkeiten: die Tätigkeiten müssen nach der Wichtigkeit geordnet werden, Darstellung des Fachwissens
  • Beurteilung der Leistung und des Verhaltens: bei Personalverantwortung muss auch die Führungsleistung beurteilt werden. Die Leistungsbeurteilung endet mit einer zusammenfassenden Aussage. Bei der Beurteilung des Verhaltens wird zuerst das Verhalten gegenüber dem Vorgesetzten beurteilt.
  • Schlussformel: Hier hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch, wird aber allgemein verwendet. Sie besteht aus dem Grund für das Ausscheiden, einer Bedauernsformel und Wünschen für die Zukunft.
  • Ausstellungsinformationen: Hier erfolgen die Angaben zum Ausstellungsdatum und zum Aussteller.

 

Bei der Erstellung eines Arbeitszeugnisses sind bestimmte Anforderungskriterien zu beachten:

 

  • Der Inhalt eines Zeugnisses muss vollständig, wahrheitsgemäß und wohlwollend sein
  • Der Arbeitgeber ist verpflichtet , alle wesentlichen Fakten in das Arbeitszeugnis aufzunehmen
  • Wesentliche Punkte, insbesondere negativen Aspekte dürfen nicht weggelassen werden. Negative Punkte sind in einer adäquaten Weise in das Arbeitszeugnis aufzunehmen.
  • Es dürfen nur Vorgänge in ein Arbeitszeugnis aufgenommen werden, wenn diese über einen längeren Zeitraum die Arbeitsleistung negativ beeinflussen.

 

In einem Arbeitszeugnis darf sich der Arbeitgeber nur wohlwollend über den Arbeitnehmeräußern, um dessen weitere berufliche Zukunft nicht zu gefährden. Dies hat dazu geführt, dass sich eine Zeugnissprache entwickelt hat. Hier besteht jedoch das Problem, dass nicht jeder diesen Code versteht und daher oftmals Formulierungen nicht so verstanden werden, wie sie gemeint sind. Zu dieser Geheimsprache gibt es eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die die vielfältigen Formulierungen interpretieren und deuten.

Die Adopus Personalberatung bietet für Bewerber die Optimierung von Bewerbungsunterlagen an. In diesem Zusammenhang werden auf Wunsch auch die vorliegenden Arbeitszeugnisse geprüft.

Quellen:

  1. Das Arbeitszeugnis, Stand 2012, IHK Karlsruhe
  2. www.bewerbung-forum.de


Kommentare

Thoms Redekop am 26. November 2015 um 11:09 Uhr

Der Arbeitgeber sollte den Arbeitnehmer für den Gesamtzeitraum eines Abschlusszeugnisses mit verständigem Wohlwollen bewerten, ohne singuläre Ereignisse wie z.B. Leistungsschwächen zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Sofern dauerhaft Leistungsschwächen auftreten, ist der Arbeitgeber im Rahmen der wahrheitsgemäßen Leistungsbewertung verpflichtet, dies auch entsprechend im Zeugnis zu berücksichtigen. Bei der Zeugnissprache handelt es sich weniger um eine Geheimsprache als um eine codierte Sprache, die sich aus der Fürsorgepflicht des Arbeitsgebers, den Arbeitnehmer im weiteren beruflichen Fortkommen nicht unnötig behindern, entwickelt hat.


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